
Der teuerste ATEX-Fehler steht oft nicht im Zonierungsplan
Wenn über ATEX gesprochen wird, richtet sich die Aufmerksamkeit meist auf Zonen, Gerätezertifizierungen und Inspektionen. Dies sind die sichtbaren Bestandteile des Explosionsschutzes. Die Grundlage jeder explosionsgef...
Wenn über ATEX gesprochen wird, richtet sich die Aufmerksamkeit meist auf Zonen, Gerätezertifizierungen und Inspektionen. Dies sind die sichtbaren Bestandteile des Explosionsschutzes. Die Grundlage jeder explosionsgefährdeten Zone wird jedoch viel früher geschaffen.
Bei nahezu jeder ATEX-Bewertung beginnt alles mit einer einzigen Frage:
Wo befindet sich die Emissionsquelle?
Eine explosionsfähige Atmosphäre entsteht nicht von selbst. Zunächst muss ein brennbarer Stoff, Dampf, Nebel oder ein brennbares Gas freigesetzt werden. Erst danach kann beurteilt werden, ob eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann, wie häufig dies geschieht und welche Zone daraus resultiert.
Genau an diesem Punkt werden in der Praxis die größten Fehler gemacht.
Eine Entlüftung, ein Füllstutzen, eine Probenahmestelle, ein Mannloch, eine Flanschverbindung oder ein Überlauf kann eine Emissionsquelle darstellen. Die Bewertung dieser Quelle bestimmt letztlich die Ausdehnung der explosionsgefährdeten Bereiche, die erforderliche Ausrüstung, die Instandhaltungsstrategie und mitunter sogar die Investitionskosten eines gesamten Projekts.
Im Explosionsschutz wird zwischen kontinuierlichen, primären und sekundären Emissionsquellen unterschieden.
Eine kontinuierliche Emissionsquelle setzt dauerhaft oder über lange Zeiträume brennbare Stoffe oder Gase frei. Eine primäre Emissionsquelle setzt diese während des normalen Betriebs frei. Eine sekundäre Emissionsquelle sollte unter normalen Bedingungen geschlossen bleiben und führt erst bei Abweichungen, Verschleiß oder Störungen zu einer Freisetzung.
Darüber hinaus spielt eine zweite Frage eine entscheidende Rolle:
Ist die Emissionsquelle gedrosselt oder ungedrosselt?
Eine gedrosselte Emissionsquelle begrenzt den Austritt durch eine kleine Öffnung, wodurch die freigesetzte Menge an Staub oder Gas begrenzt bleibt. Bei einer ungedrosselten Emissionsquelle kann die Austrittsmenge erheblich größer sein, was unmittelbare Auswirkungen auf das Risiko und die spätere Zoneneinteilung hat.
Die Folgen einer fehlerhaften Bewertung werden häufig erst Jahre später sichtbar.
Dadurch kann eine Anlage mit unnötig teurer explosionsgeschützter Ausrüstung ausgestattet werden. Das Gegenteil kommt jedoch ebenfalls vor. Eine unterschätzte Emissionsquelle kann zu einer zu kleinen Gefahrenzone führen, sodass potenzielle Zündquellen unbemerkt innerhalb des Risikobereichs verbleiben.
Deshalb beginnt Explosionsschutz nicht mit der Frage, welche Zone vorhanden ist.
Die erste Frage muss immer lauten:
Welche Emissionsquelle bildet die Grundlage dieser Zone und wurde sie korrekt bewertet?
Ein Zonierungsplan ist letztlich nur das Ergebnis einer Analyse.
Die Qualität dieser Analyse wird durch die Qualität der Bewertung der Emissionsquelle bestimmt.
Genau dort beginnt Explosionsschutz.
https://exquintia.com Quellen
DIN EN IEC 60079-10-1 – Explosionsfähige Atmosphären – Einteilung explosionsgefährdeter Bereiche – Explosionsgefährdete Gasatmosphären. DIN EN IEC 60079-10-2 – Explosionsfähige Atmosphären – Einteilung explosionsgefährdeter Bereiche – Explosionsgefährdete Staubatmosphären. DIN EN IEC 60079-14 – Projektierung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen. TRGS 720 – Gefährliche explosionsfähige Gemische – Allgemeines. TRGS 721 – Beurteilung der Explosionsgefährdung. TRGS 722 – Vermeidung oder Einschränkung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre. TRBS 2152 Teil 1 – Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre – Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen. DIN EN 1127-1 – Explosionsfähige Atmosphären – Explosionsverhütung und Explosionsschutz – Grundlagen und Methodik.
Eine fehlerhafte Zoneneinteilung ist häufig die Folge einer falsch bewerteten Emissionsquelle. Deshalb gehört die Klassifizierung von Emissionsquellen zu den wichtigsten Schritten jeder Explosionsschutz- und Gefährdungsbeurteilung.