
Draussen bedeutet nicht automatisch sicher
Bei der Beurteilung des Explosionsschutzes wird häufig großer Wert auf die Zoneneinteilung, die Zertifizierung von Geräten und mögliche Zündquellen gelegt. Das ist richtig und wichtig. Dennoch entsteht oft ein Gefühl...
Draußen bedeutet nicht automatisch sicher
Bei der Beurteilung des Explosionsschutzes wird häufig großer Wert auf die Zoneneinteilung, die Zertifizierung von Geräten und mögliche Zündquellen gelegt. Das ist richtig und wichtig. Dennoch entsteht oft ein Gefühl der Sicherheit, sobald sich eine Anlage im Freien befindet.
Dieser Gedanke ist nachvollziehbar. Im Freien sorgt die natürliche Belüftung in der Regel für eine schnelle Verdünnung freigesetzter Dämpfe, Gase oder Stäube. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Realität komplexer ist.
Der Wind folgt weder Zeichnungen noch Verfahren oder Zonierungsberichten. Er transportiert freigesetzte Stoffe dorthin, wo die jeweiligen Umgebungsbedingungen es zulassen.
Während Wartungsarbeiten, Revisionen oder bei abweichenden Betriebszuständen können bereits kleine Mengen brennbarer Stoffe freigesetzt werden. Durch den Einfluss des Windes können diese an Orte gelangen, an denen heiße Oberflächen vorhanden sind, mechanische Energie freigesetzt wird oder Arbeiten stattfinden, die normalerweise nicht als unmittelbare Gefahrenquelle angesehen werden.
Gerade daraus ergibt sich eine wichtige Erkenntnis für alle, die mit Planung, Instandhaltung, Inspektion und Betrieb von Anlagen befasst sind. Explosionsschutz beginnt nicht mit der Frage, ob sich eine Anlage innerhalb oder außerhalb eines Gebäudes befindet. Die erste Frage muss lauten, ob unter realistischen Bedingungen eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann, wie sie sich ausbreiten kann und mit welchen potenziellen Zündquellen sie in Kontakt kommen könnte.
Eine Anlage kann vollständig den geltenden Normen entsprechen, gut gewartet und ordnungsgemäß inspiziert sein. Dennoch können unvorhersehbare Kombinationen aus Prozessbedingungen, Witterungseinflüssen und Arbeitsaktivitäten zu Situationen führen, die im Normalbetrieb kaum sichtbar sind.
Deshalb verdient das Denken in Szenarien im Explosionsschutz ebenso viel Aufmerksamkeit wie die formale Zoneneinteilung. Es reicht nicht aus, nur zu betrachten, was normalerweise geschieht. Ebenso wichtig ist die Frage, was geschehen kann, wenn verschiedene Umstände gleichzeitig zusammentreffen.
Denn der Wind liest keinen Zonierungsplan.
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Quellen
NEN-EN-IEC 60079-10-1 — Explosionsfähige Atmosphären – Einteilung explosionsgefährdeter Bereiche – Gasexplosionsgefährdete Bereiche. NEN-EN-IEC 60079-14:2024 — Projektierung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen. NEN-EN-IEC 60079-17 — Prüfung und Instandhaltung elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen. NPR 7910-1:2020+C1:2021 — Zoneneinteilung hinsichtlich des Explosionsrisikos durch gasexplosionsgefährdete Atmosphären. EN 1127-1 — Explosionsfähige Atmosphären – Explosionsverhütung und Explosionsschutz – Teil 1: Grundlagen und Methodik.
Sicherheit wird nicht durch den Standort einer Anlage bestimmt, sondern durch das Verständnis der Bedingungen, unter denen eine explosionsfähige Atmosphäre entstehen und entzündet werden kann.