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Die Schraube passt. Trotzdem kann der Ex-d-Schutz verloren sein.
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Ex-d-Instandhaltung2026-08-244 min

Die Schraube passt. Trotzdem kann der Ex-d-Schutz verloren sein.

„Gleiche Abmessung, gleiche Festigkeitsklasse – dann kann diese Schraube doch wieder in den Deckel.“

Bei einer druckfest gekapselten Ex-d-Einrichtung ist diese Schlussfolgerung zu kurz.

Das Gehäuse wurde als Konstruktion beurteilt. Gehäusekörper, Deckel, zünddurchschlagsicherer Spalt und Befestigungselemente müssen gemeinsam den inneren Explosionsdruck beherrschen und eine Zündung der äußeren explosionsfähigen Atmosphäre verhindern. Die Schraube ist damit ein funktionaler Teil der Schutzart und nicht lediglich ein mechanisches Normteil.

Neben Nenndurchmesser und Festigkeitsklasse können Gewindeart und -steigung, Werkstoff, Kopfform, Länge, wirksamer Gewindeeingriff, Korrosions- und Temperaturbeständigkeit, Anzahl und Position der Schrauben sowie die Montagevorgaben entscheidend sein. Optisch ähnliche Teile sind deshalb nicht automatisch gleichwertig.

In Deutschland treffen Produktsicherheits- und Betreiberpflichten aufeinander. Die 11. ProdSV setzt die ATEX-Produktrichtlinie um. GefStoffV und BetrSichV regeln die sichere Verwendung im Betrieb. Besonders wichtig: Nach einer Reparatur an einem Teil, von dem der Explosionsschutz abhängt, verlangt Anhang 2 Abschnitt 3 der BetrSichV grundsätzlich eine Prüfung vor der Wiederinbetriebnahme durch eine befähigte Person – sofern nicht der Hersteller die Prüfung vorgenommen und bestätigt hat. Ob eine Abweichung zusätzlich als produktrechtlich relevante Veränderung gilt, muss anhand des konkreten Falls und der Rolle des Handelnden geklärt werden.

Der sichere Ablauf beginnt deshalb nicht im Schraubenregal, sondern am Typenschild: Gerät eindeutig identifizieren, Zertifikat und besondere Bedingungen prüfen, Herstellerunterlagen heranziehen und das vorgeschriebene Befestigungselement beschaffen. Ist das Originalteil nicht verfügbar, darf die Alternative nicht allein nach Maß und Festigkeitsklasse freigegeben werden. Eine fachkundige Bewertung, dokumentierte Entscheidung und die erforderliche Prüfung vor Wiederinbetriebnahme gehören dazu.

IEC 60079-17 beschreibt Inspektion und Instandhaltung elektrischer Ex-Anlagen; IEC 60079-19 behandelt Reparatur, Überholung und Wiederherstellung. Maßgeblich bleiben zusätzlich Zertifikat, Betriebsanleitung und nationale Rechtslage.

Die kritische Frage lautet also nicht: „Passt die Schraube?“ Sondern: „Ist die nachgewiesene Schutzfunktion weiterhin erhalten?“

Wie verhindert Ihr Betrieb, dass Ex-Befestigungselemente wie gewöhnliche Lagerware ersetzt werden?

Quellen

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