
Die größten Explosionsrisiken befinden sich häufig außerhalb der Zoneneinteilungszeichnung
In vielen Unternehmen erhält die äußere Zoneneinteilung große Aufmerksamkeit. Zoneneinteilungspläne werden aktualisiert, explosionsgeschützte Betriebsmittel werden ausgewählt und Anlagen werden nach den geltenden Regeln und Normen geprüft. Das ist notwendig und bleibt ein wesentlicher Bestandteil des Explosionsschutzes.
Gleichzeitig entsteht jedoch ein Risiko, wenn sich die Aufmerksamkeit zu stark auf den sichtbaren Teil des Problems verlagert. Eine Zoneneinteilungszeichnung zeigt, wo eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre infolge einer Freisetzung auftreten kann. Sie erklärt jedoch nicht automatisch, warum eine explosionsfähige Atmosphäre entsteht, wie sie sich innerhalb eines Prozesses verhält oder unter welchen Prozessbedingungen eine Explosion tatsächlich ausgelöst werden kann.
Genau an dieser Stelle beginnt die Schnittstelle zwischen Explosionsschutz und Prozesssicherheit.
In einem Tank, Trockner, Filter, Reaktor, Zyklon oder Silo kann über längere Zeiträume eine explosionsfähige Atmosphäre vorhanden sein. In bestimmten Prozessen ist dies sogar ein normaler Bestandteil des bestimmungsgemäßen Betriebs. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr nur, ob eine explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann, sondern welche Betriebszustände, Abweichungen oder Fehlerbedingungen zu einer wirksamen Zündquelle führen können.
Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von der reinen Zoneneinteilung zur Zündquellenanalyse. Eine explosionsfähige Atmosphäre allein verursacht noch keine Explosion. Eine Explosion entsteht erst dann, wenn ein explosionsfähiges Gemisch, geeignete Prozessbedingungen und eine wirksame Zündquelle gleichzeitig vorhanden sind.
Diese Bewertung ist deutlich komplexer als das bloße Betrachten einer Zone. Temperaturerhöhungen können durch Prozessabweichungen, blockierte Lager, Produktablagerungen, unzureichende Kühlung, Reibung, Anlaufen von Bauteilen oder veränderte Betriebsbedingungen entstehen. Mechanische Energie kann durch Verschleiß, Fehlstellung, Fremdkörper, Lagerdefekte oder Kontakt zwischen bewegten und feststehenden Teilen freigesetzt werden. Elektrostatische Aufladung kann durch Produktströme, pneumatische Förderung, Umfüllvorgänge, isolierende Oberflächen oder unzureichenden Potenzialausgleich entstehen. Selbst eine scheinbar kleine Änderung der Rohstoffeigenschaften kann dazu führen, dass sich Mindestzündenergie, Zündtemperatur, Explosionsdruck, KSt-Wert oder andere explosionsrelevante Kenngrößen verändern.
An diesem Punkt verlässt man den engen Blick auf die äußere Zoneneinteilung und kommt in den Bereich der Prozesssicherheit. Die zentrale Frage lautet dann:
Welche Prozessabweichungen können innerhalb einer bereits vorhandenen explosionsfähigen Atmosphäre zu einer wirksamen Zündquelle führen?
Genau dort enden viele Untersuchungen nach Explosionsereignissen. Nicht immer war die Zone falsch festgelegt. Nicht immer war die Ex-Kennzeichnung eines Betriebsmittels der entscheidende Fehler. Häufig liegt die Ursache in einer Kombination aus veränderten Prozessbedingungen, Alterung oder Degradation von Anlagenteilen, unzureichender Instandhaltung, menschlichen Faktoren und einer nicht ausreichend erkannten Zündgefahr.
Deshalb sollte eine fundierte Explosionsschutzbewertung nicht bei der Zoneneinteilung stehen bleiben. Die Zoneneinteilung beschreibt, wo und mit welcher Wahrscheinlichkeit eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann. Die Zündquellenanalyse und die Prozesssicherheitsbetrachtung müssen jedoch klären, was im Inneren der Anlage geschieht, wenn der Prozess von den Auslegungsbedingungen abweicht.
Für Betreiber in Deutschland bedeutet dies: Das Explosionsschutzdokument darf nicht nur aus Zoneneinteilungsplänen und Betriebsmittellisten bestehen. Es muss nachvollziehbar zeigen, dass die Gefährdungsbeurteilung die tatsächlichen Betriebszustände, vorhersehbaren Abweichungen, möglichen Zündquellen, technischen Schutzmaßnahmen, organisatorischen Maßnahmen, Prüfungen und Instandhaltungsanforderungen berücksichtigt. Dazu gehören nicht nur elektrische Zündquellen nach der IEC/EN IEC 60079-Reihe, sondern auch mechanische Zündquellen und nicht-elektrische Geräte nach EN ISO 80079-36 und EN ISO 80079-37.
Der entscheidende Punkt ist: Explosionsschutz fragt nicht nur, wo eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann. Prozesssicherheit fragt zusätzlich, was passiert, wenn der Prozess nicht mehr so verläuft, wie er ursprünglich geplant, ausgelegt oder bewertet wurde.
Gerade an dieser Schnittstelle entstehen häufig die größten Explosionsrisiken.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht nur:
„Welche Zone ist hier vorhanden?“
Sondern vor allem:
„Was geschieht in der Anlage, wenn der Prozess von den Auslegungsbedingungen abweicht?“
Dort befindet sich häufig das eigentliche Explosionsrisiko.
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Abschluss für :
Eine Zoneneinteilung ist notwendig, aber sie ist nicht das Ende der Explosionsschutzbewertung. Sie ist der Anfang einer tieferen technischen Betrachtung.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob eine explosionsfähige Atmosphäre vorhanden sein kann, sondern welche Prozessabweichungen innerhalb dieser Atmosphäre zu einer wirksamen Zündquelle führen können.
Genau dort treffen Explosionsschutz, Zündquellenanalyse und Prozesssicherheit aufeinander.
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