
Explosionsschutz findet heute zunehmend in Branchen statt, in denen ihn kaum jemand erwartet.
Wird über Explosionsschutz gesprochen, denken die meisten zunächst an Raffinerien, Chemieanlagen oder Tanklager. Dieses Bild ist nachvollziehbar, entspricht jedoch immer weniger der industriellen Realität.
Energiewende, Kreislaufwirtschaft und technologische Innovation führen dazu, dass explosionsfähige Atmosphären heute in zahlreichen Branchen entstehen, die bislang kaum mit Explosionsschutz in Verbindung gebracht wurden.
Lebensmittelhersteller verarbeiten Stärke, Zucker, Milchpulver, Kakao und Gewürze, die explosionsfähige Staubatmosphären bilden können. Pharmaunternehmen arbeiten mit brennbaren Lösungsmitteln. Recyclingbetriebe verarbeiten Lithiumbatterien, Kunststoffe und Metallstäube. Kläranlagen erzeugen Biogas und zunehmend Wasserstoff. Rechenzentren prüfen Wasserstoff als Notstromversorgung. Auch Hersteller biobasierter Werkstoffe, Pulver für die additive Fertigung und nachhaltiger Kraftstoffe integrieren neue Verfahren mit explosionsrelevanten Eigenschaften.
Bemerkenswert ist, dass Explosionsschutz meist nicht deshalb erforderlich wird, weil ein Unternehmen seine Branche wechselt. Viel häufiger verändert sich die Technologie.
Eine energieeffizientere Trocknungsanlage, neue Rohstoffe, eine höhere Produktionsleistung oder modernisierte Lösemittelrückgewinnung können die ursprünglichen Annahmen der Zoneneinteilung und der Explosionsrisikobeurteilung grundlegend verändern, obwohl das Endprodukt unverändert bleibt.
Explosionsschutz entwickelt sich deshalb weit über die gesetzlichen Anforderungen der BetrSichV, GefStoffV, TRGS, TRBS und der IEC-60079-Reihe hinaus zu einem festen Bestandteil moderner Asset Integrity, Prozesssicherheit und nachhaltiger Anlagenauslegung.
Die erfolgreichsten Industrieunternehmen der Zukunft werden nicht daran erkannt, in welcher Branche sie tätig sind. Sie werden daran erkannt, dass sie technologische Innovationen frühzeitig mit einer systematischen Bewertung neuer Explosionsrisiken verbinden und diese bereits im Engineering beherrschen.